Was ist ein Strafbuch?
Ein persönliches Buch für Regeln, Konsequenzen und Rituale innerhalb einer D/s-Beziehung. Was hineingehört, wie es entsteht, und warum es kein Ersatz für das Gespräch ist.
Kaum ein Begriff aus dem BDSM-Wortschatz klingt so eindeutig und ist in der Praxis so unterschiedlich gemeint wie das Strafbuch. Dieser Artikel gehört zu unserem BDSM-Glossar und ergänzt die Grundlagen aus unserem Artikel zu Erziehung im BDSM.
Was ist ein Strafbuch?
Ein Strafbuch ist ein persönlich geführtes Buch oder Heft, in dem ein Paar innerhalb einer D/s-Beziehung Regeln, vereinbarte Konsequenzen, Aufgaben oder auch Reflexionen festhält.
Der Name klingt eindeutig, in der Praxis ist die Bedeutung von Paar zu Paar unterschiedlich. Bei manchen steht die Dokumentation tatsächlicher Regelverstöße im Mittelpunkt. Andere nutzen es eher symbolisch, als gemeinsames Nachschlagewerk für Regeln und Vereinbarungen. Entscheidend ist nicht der Name des Buches, sondern die Bedeutung, die beide ihm geben.
Warum ein eigenes Buch?
Ein gekauftes Notizbuch erfüllt seinen Zweck. Ein selbst gestaltetes Buch bekommt oft eine ganz andere Bedeutung, schon die Gestaltung kann zu einem gemeinsamen Ritual werden.
Ein Strafbuch kann dabei mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen: Regeln und Vereinbarungen festhalten, Konsequenzen dokumentieren, Aufgaben sammeln, gemeinsame Reflexion ermöglichen, und mit der Zeit auch zu einem Erinnerungsstück werden, das von der Entwicklung einer Beziehung erzählt.
Was hinein gehört
Eine mögliche Struktur besteht aus wenigen, klar getrennten Bereichen: eine gemeinsame Vereinbarung als Grundlage, die wichtigsten Regeln, vereinbarte Konsequenzen, ein Feld für Reflexion nach einer Konsequenz und Platz für Aufgaben oder auch Anerkennung.
Nicht jedes Buch braucht jeden Bereich. Manchmal ist ein kleines Buch mit zehn sorgfältig ausgewählten Seiten persönlicher als ein dickes Buch voller vorgefertigter Formulare. Wie sich einzelne Seiten konkret gestalten lassen, beschreibt der Ratgeber BDSM-Strafbuch selber gestalten ausführlicher.
Wichtige Abgrenzung
Ein Strafbuch ist kein Freifahrtschein, um nachträglich beliebige Konsequenzen festzulegen. Was als Konsequenz überhaupt infrage kommt, sollte vorher gemeinsam besprochen sein, nicht erst im Moment einer Regelverletzung entstehen. Warum dieser Unterschied entscheidend ist, beschreibt der Artikel Führen statt verfügen.
Genau diese Unterscheidung, Konsequenz statt Willkür, behandelt auch der Artikel BDSM-Strafen: Wenn Konsequenz zum Ritual wird ausführlich, inklusive der Frage, was bei längerfristigen Konsequenzen mit einem Safeword passiert.
Ein Strafbuch ersetzt außerdem kein Gespräch. Regeln und Grenzen können sich über die Zeit verändern, eine Vereinbarung sollte nicht allein deshalb weitergelten, weil sie einmal aufgeschrieben wurde.
Selbst gestalten
Ein Strafbuch muss weder teuer noch kompliziert sein. Ein schönes Notizbuch, etwas Kreativität und ein paar durchdachte Seiten reichen völlig aus, genauso lässt es sich vollständig am Computer gestalten und ausdrucken.
Konkrete Vorlagen, Gestaltungsideen und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es im Ratgeber BDSM-Strafbuch selber gestalten.
Häufige Fragen zum Strafbuch
Muss ein Strafbuch wirklich Strafen enthalten?
Nein. Manche Paare bevorzugen Begriffe wie Regelbuch oder Vereinbarungsbuch und nutzen das Buch vor allem für Regeln, Rituale und Aufgaben, nicht für Konsequenzen.
Wer führt das Strafbuch?
Das legt jedes Paar für sich fest. Manche führen es gemeinsam, bei anderen trägt eine Person die Einträge ein, während beide Zugriff und Mitspracherecht behalten.
Ersetzt ein Strafbuch das Gespräch über Regeln?
Nein. Ein Strafbuch hält Vereinbarungen fest, ersetzt aber nicht das regelmäßige Gespräch darüber, ob diese Vereinbarungen noch passen.
Muss eine Konsequenz vorher im Buch stehen?
Nicht zwingend wortwörtlich, aber die Art möglicher Konsequenzen sollte vorher gemeinsam geklärt sein. Mehr dazu im Artikel BDSM-Strafen: Wenn Konsequenz zum Ritual wird.
Mehr als ein Register
Ein gut geführtes Strafbuch ist selten nur eine Liste von Verstößen. Mit der Zeit wird es oft zu etwas Persönlicherem: einem kleinen Archiv gemeinsamer Regeln, Vereinbarungen und der Beziehung, die sich dahinter entwickelt.