BDSM-Strafbuch selber gestalten
Ideen, Struktur und Tipps für ein persönliches Buch, das mit der Zeit mehr wird als eine Liste von Regeln.
Ein eigenes Strafbuch kann aus einem einfachen Notizbuch etwas sehr Persönliches machen. Was genau ein Strafbuch überhaupt ist und wofür es steht, klärt der verlinkte Glossareintrag. Hier geht es um die praktische Seite: wie ihr euer eigenes Buch tatsächlich gestaltet.
Bevor ihr beginnt
Bevor Papier, Stifte oder Dekoration gekauft werden, lohnt sich eine einfache Frage: Welche Bedeutung soll dieses Buch für uns haben?
Vielleicht soll es ein Buch werden, in dem vor allem Regeln und vereinbarte Konsequenzen stehen. Vielleicht soll es eher ein persönliches Ritualbuch sein, mit Aufgaben, Wünschen und gemeinsamen Erfahrungen. Oder es liegt bewusst irgendwo dazwischen. Es gibt kein allgemeingültiges, richtiges Strafbuch, das Buch sollte zu eurer Beziehung passen, nicht umgekehrt.
Eine mögliche Struktur
Ihr müsst nicht jeden Bereich verwenden, ein kleines Buch mit zehn sorgfältig gestalteten Seiten kann persönlicher wirken als ein dickes Buch voller vorgefertigter Formulare. Als Orientierung eine mögliche Aufteilung:
- Widmung, am besten handschrieben
- Eure Vereinbarung, der Rahmen, der für das ganze Buch gilt
- Eure Regeln, möglichst konkret formuliert
- Grenzen & Safeword, was grundsätzlich nicht stattfindet
- Vereinbarte Konsequenzen, welche Regel zu welcher Konsequenz führt
- Regelverstöße, für die, die tatsächlich dokumentieren möchten
- Reflexion, wie ging es mir danach, was würden wir ändern
- Aufgaben und Anerkennung, nicht jede Seite muss streng wirken
- Freie Seiten, für alles, was sich erst noch entwickelt
Besonders hilfreich ist es, Regeln so konkret wie möglich zu formulieren. Statt „Sei respektvoll“ hilft eher etwas wie „Wir sprechen auch während einer Auseinandersetzung respektvoll miteinander.“ Je eindeutiger eine Vereinbarung ist, desto leichter lässt sich später feststellen, ob sie tatsächlich verletzt wurde.
Das Cover gestalten
Für ein selbst gestaltetes Cover braucht es erstaunlich wenig. Eine einfache Variante kommt mit einem Blankobuch, etwas Karton, hochwertigem Papier, Klebstoff und einem dunklen Stift aus. Wer es edler mag, greift zu Leder oder Lederimitat, Buchbinderleinen, Siegelwachs oder einer kleinen Prägung.
Persönliche Details machen oft den größten Unterschied: Initialen, ein Datum, ein gemeinsames Symbol oder ein kurzer Leitsatz. Das Cover muss dabei nicht offensichtlich nach BDSM aussehen, ein schlichtes, elegantes Buch kann sogar persönlicher wirken als eines mit deutlichen Symbolen.




Die Innenseiten gestalten
Unterschiedliche Papierarten helfen dabei, sich im Buch zurechtzufinden, zum Beispiel cremefarbenes Papier für Regeln, ein dunkleres für Konsequenzen und ein strukturiertes für persönliche Seiten. Kleine wiederkehrende Symbole am Seitenrand, etwa für Regel, Aufgabe oder Reflexion, erleichtern die Orientierung zusätzlich.
Digital erstellen und ausdrucken
Wer nicht gerne mit Papier und Kleber arbeitet, kann das komplette Buch auch am Computer gestalten, etwa mit Word, LibreOffice oder Canva. A5 eignet sich als Format meist am besten für ein persönliches Buch.
Jede Vorlage bekommt eine eigene Seite, die Seiten werden auf etwas stärkerem Papier ausgedruckt und anschließend zusammengestellt, zum Beispiel mit Ringbindung, Buchschrauben oder einem einfachen Ordner. Das Cover lässt sich separat auf stärkerem Karton drucken oder von Hand gestalten.
Ein gemeinsames Projekt statt eines fertigen Geschenks
Statt ein fertiges Buch zu überreichen, lässt sich daraus auch ein kleines gemeinsames Ritual machen: Eine Person gestaltet zunächst nur das Cover und die ersten Seiten, den Rest füllt ihr gemeinsam aus. So entsteht kein fertiges Regelwerk, das einer Person übergeben wird, sondern ein Buch, das beide gemeinsam entwickeln, und genau dadurch wird aus einem Notizbuch mit der Zeit ein persönliches Erinnerungsstück.
Was ein Buch nicht ersetzt
So schön ein gestaltetes Strafbuch auch sein kann, es ersetzt kein Gespräch. Regeln können sich verändern, Grenzen können sich verändern, und eine Vereinbarung sollte nicht allein deshalb weitergelten, weil sie einmal mit Tinte in ein Buch geschrieben wurde.
Wie Regeln und Konsequenzen fachlich sauber voneinander abgegrenzt werden, beschreibt der Artikel BDSM-Strafen: Wenn Konsequenz zum Ritual wird, und warum Konsequenz nicht Willkür bedeuten sollte, der Artikel Führen statt verfügen.
Häufige Fragen
Muss ein selbst gestaltetes Strafbuch teuer sein?
Nein. Ein einfaches Notizbuch, etwas Kreativität und ein paar durchdachte Seiten reichen völlig aus. Aufwendige Materialien sind eine Möglichkeit, keine Voraussetzung.
Welches Format eignet sich am besten?
Für ein persönliches Buch hat sich A5 bewährt, groß genug zum Beschriften, klein genug, um es unauffällig aufzubewahren.
Muss das Buch von Anfang an vollständig sein?
Nein. Viele Paare lassen bewusst Seiten frei und ergänzen das Buch über Monate oder Jahre, so entsteht mit der Zeit ein echtes gemeinsames Projekt statt eines einmalig fertigen Objekts.
Was, wenn wir uns nicht auf einen Namen wie „Strafbuch“ festlegen wollen?
Der Name ist zweitrangig. Manche Paare nennen es lieber Regelbuch, Ritualbuch oder Vereinbarungsbuch, entscheidend ist der Inhalt, nicht die Bezeichnung auf dem Cover.