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BDSM-Glossar · Grundlagen

Was ist Masochismus?

Das „M“ im BDSM – die Lust am Erleben von Schmerz, Kontrolle oder Machtabgabe.

Inhaltsverzeichnis

Masochismus bezeichnet die Lust am Erleben von Schmerz, Kontrolle oder Machtabgabe – stets im einvernehmlichen Rahmen. Der Begriff geht auf den österreichischen Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch zurück, dessen literarisches Werk im 19. Jahrhundert namensgebend wurde. Im BDSM bildet Masochismus gemeinsam mit dem Gegenstück Sadismus das „S“ und „M“ der Abkürzung.

Woher der Name wirklich kommt

Der Begriff ist deutlich jünger, als man vermuten könnte: Der Psychiater Richard von Krafft-Ebing prägte ihn erst 1886 in seinem Standardwerk „Psychopathia Sexualis“. Namensgeber war Leopold von Sacher-Masoch, dessen Novelle „Venus im Pelz“ 1870 erschien und sich innerhalb weniger Wochen im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitete. Besonders bemerkenswert: Krafft-Ebing stützte seine Namenswahl unter anderem darauf, dass ihm eigene Patienten berichteten, genau dieser Roman beschreibe ihre eigenen Wünsche am treffendsten – Literatur wurde hier buchstäblich zum medizinischen Beleg. Im selben Werk beschrieb Krafft-Ebing auch das Gegenstück Sadismus, benannt nach dem französischen Schriftsteller Marquis de Sade. Sacher-Masoch selbst und seine Anhänger wehrten sich zu Lebzeiten vergeblich gegen die Namensgebung – der Begriff setzte sich trotzdem durch, während der Schriftsteller und sein literarisches Werk zunehmend in Vergessenheit gerieten. Beide Begriffe stammen also nicht aus der Community selbst, sondern aus der akademischen Sexualforschung des 19. Jahrhunderts.

Warum Schmerz angenehm sein kann

Körperlicher Reiz wie beim Impact Play setzt Endorphine und Adrenalin frei, die ähnlich wie beim Sport ein Hochgefühl auslösen können. Kombiniert mit Vertrauen und der bewussten Abgabe von Kontrolle entsteht für viele masochistisch veranlagte Menschen ein Zustand tiefer Entspannung, manchmal als Subspace bezeichnet.

Masochismus äußert sich unterschiedlich

Nicht jeder Masochismus ist körperlich: Manche Menschen erleben die Lust vor allem über Kontrollabgabe in einer D/s-Dynamik, andere über Humiliation oder psychische Anspannung ohne körperliche Schmerzreize. Wichtig ist immer, dass die Grenze zwischen gewünschtem Reiz und tatsächlicher Verletzung mit einem Safeword abgesichert bleibt.

Eigenverantwortung der masochistischen Person

Genau die Endorphine und das Adrenalin, die Schmerz angenehm machen können, dämpfen gleichzeitig die eigene Wahrnehmung von Warnsignalen – echte Verletzungen oder überschrittene Limits werden dadurch oft erst mit Verzögerung bemerkt, manchmal erst nach der Session. Deshalb liegt ein großer Teil der Verantwortung bei der masochistischen Person selbst: Grenzen müssen vorher klar kommuniziert werden, nicht erst dann, wenn sie im Moment spürbar werden.

Nach einer intensiven Session fällt der Hormonspiegel oft abrupt ab, was zu einem emotionalen Tief führen kann, manchmal als Subdrop bezeichnet. Bewusste Aftercare hilft, diesen Übergang aufzufangen und körperliche wie emotionale Folgen der Session in Ruhe zu verarbeiten. Unsere Limits-Checkliste und Einverständniserklärung helfen dabei, nichts zu vergessen.

Für Einsteiger

Der Einstieg gelingt am leichtesten über milde Reize wie Kneifen oder leichte Schläge, kombiniert mit viel Kommunikation darüber, wie sich das anfühlt. Intensität lässt sich jederzeit steigern, der umgekehrte Weg ist schwieriger.

Häufige Fragen

Ist Masochismus eine psychische Störung?
Nein. Der bis 2022 gültige ICD-10 führte Sadomasochismus noch unter dem Schlüssel F65.5 als eigene „Störung der Sexualpräferenz“. Der seit 2022 geltende ICD-11 kennt diese Diagnose nicht mehr – ausdrücklich, weil sie ein Verhalten ohne Krankheitswert stigmatisiert hat. Ein Behandlungsbedarf besteht nur noch, wenn Betroffene selbst darunter leiden oder ein hohes gesundheitliches Risiko besteht.

Woher kommt der Begriff Masochismus?
Von Leopold von Sacher-Masoch, einem österreichischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Der Psychiater Richard von Krafft-Ebing prägte den Begriff 1886 nach dessen literarischem Werk.

Muss Masochismus körperlichen Schmerz beinhalten?
Nein, viele erleben die Lust vor allem über Kontrollabgabe oder psychische Anspannung, ganz ohne Schmerzreiz.

Lust, eure eigene Dynamik zu entdecken?

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