Was bedeutet Covern?
Der Schutzengel im Hintergrund: warum eine dritte Person Bescheid wissen sollte, wenn ihr euch zum ersten Mal mit jemandem aus dem Netz trefft.
Was ist Covern?
Covern bezeichnet eine Sicherheitspraxis für das erste Treffen mit einer Person, die man bisher nur online kennengelernt hat. Dabei wird eine dritte, am Treffen unbeteiligte Person, das sogenannte Cover, über Ort, Zeit und Details der Verabredung informiert. Trifft keine Rückmeldung ein oder fällt ein vorher vereinbartes Codewort, weiß diese Person, dass sie handeln muss.
Der Begriff stammt aus dem Englischen („to cover“, absichern) und ist in der deutschsprachigen BDSM- und Kink-Community fest etabliert. Mehr Grundlagen im BDSM-Glossar.
Warum Covern sinnvoll ist
Ein erstes Treffen mit einer fremden Person aus dem Internet ist nie vollkommen risikofrei, unabhängig vom Kontext. Im BDSM kommt ein zusätzlicher Punkt dazu: Bei manchen Praktiken, etwa Bondage, ist die Möglichkeit, sich aus einer unangenehmen Situation selbst zu befreien, eingeschränkt. Genau deshalb hat sich Covern in der Szene als Standardmaßnahme etabliert, längst bevor Dating-Sicherheit auch außerhalb der Community zum Thema wurde.
Covern ersetzt kein gesundes Bauchgefühl und keine eigene Vorsicht. Es ist ein zusätzliches Sicherheitsnetz, das im Zweifel schnell Hilfe holen kann, ohne dass ihr euch mitten im Treffen selbst darum kümmern müsst.
Wie ein Cover praktisch abläuft
Vor dem Treffen bekommt das Cover die wichtigsten Informationen: Ort und Uhrzeit der Verabredung, Name oder Profil der anderen Person und, wenn möglich, weitere Angaben wie ein Kfz-Kennzeichen. Je konkreter diese Angaben sind, desto schneller kann im Ernstfall gehandelt werden.
Dazu gehört ein Rückmelde-Rhythmus: eine feste Uhrzeit, zu der ihr euch meldet, dass alles in Ordnung ist, oder ein Check-in in regelmäßigen Abständen bei längeren Treffen. Bleibt diese Meldung aus, weiß das Cover, dass etwas nicht stimmt.
Sinnvoll ist zusätzlich ein vorher vereinbartes Codewort, ein unauffällig klingendes Wort in einer Nachricht, das signalisiert: Bitte sofort Hilfe holen. So lässt sich ein Notfall auch dann melden, wenn eine offene Nachricht gerade nicht möglich oder zu riskant wäre.
Wer als Cover infrage kommt
Am einfachsten ist ein Cover aus dem eigenen Vertrauenskreis: eine gute Freundin, ein Freund, jemand, der erreichbar ist und weiß, wie er im Ernstfall reagieren soll. Wichtig ist vor allem Verlässlichkeit, nicht Szene-Erfahrung.
Wer niemanden im eigenen Umfeld einweihen möchte oder kann, findet auch organisierte Unterstützung. Große Communitys wie die Sklavenzentrale bieten ehrenamtliche Cover-Dienste für Mitglieder an, ebenso spezialisierte Beratungsstellen und Vereine. Diese Angebote richten sich gezielt an Menschen, die sonst niemanden fragen könnten oder wollten.
Die Grenzen des Coverns
Ein Cover senkt das Risiko, hebt es aber nicht vollständig auf. Es ersetzt weder die eigene Einschätzung der Situation noch die üblichen Vorsichtsmaßnahmen, etwa sich am Anfang an einem öffentlichen Ort zu treffen. Wer sich allein auf das Cover verlässt und deshalb unvorsichtiger wird, verkehrt den eigentlichen Zweck ins Gegenteil.
Ein Cover deckt außerdem nur das Treffen selbst ab, nicht das, was danach in der Session passiert. Dafür braucht es einen eigenen Notfallplan, unabhängig davon, wie lange ihr euch schon kennt.
Weitere unabhängige Hilfsangebote, auch für akute Krisen, findet ihr gesammelt unter Wichtige Anlaufstellen.
Genauso wichtig: Ein Cover kann erst eingreifen, wenn etwas bereits schiefläuft. Die beste Absicherung bleibt weiterhin, sich vorher Zeit zu nehmen, jemanden kennenzulernen, bevor man sich trifft, wie im Artikel BDSM-Partner finden ausführlicher beschrieben.
Für Einsteiger
Wer zum ersten Mal jemanden covern lässt, muss nichts kompliziert aufziehen. Eine einzige Nachricht mit Ort, Zeit und dem Namen des Profils reicht als Grundlage völlig aus. Wichtiger als die perfekte Absprache ist, dass überhaupt jemand Bescheid weiß.
Mit der Zeit entwickelt sich daraus meist eine Routine: ein festes Codewort, eine feste Ansprechperson, ein kurzer Rhythmus, an den sich beide Seiten halten.
Häufige Fragen
Brauche ich unbedingt ein Cover, wenn ich jemanden aus der Szene treffe?
Zwingend nicht, aber empfohlen, besonders beim allerersten Treffen mit einer bisher unbekannten Person. Details dazu im Abschnitt Warum Covern sinnvoll ist.
Wer kann mein Cover sein?
Am einfachsten eine vertraute Person aus dem eigenen Umfeld. Wer niemanden fragen möchte, findet auch organisierte Angebote, siehe Abschnitt Wer als Cover infrage kommt.
Was muss ich meinem Cover mitteilen?
Mindestens Ort, Uhrzeit und Name oder Profil der anderen Person, dazu ein Rückmelde-Zeitpunkt, siehe Abschnitt Wie ein Cover praktisch abläuft.
Ist Covern nur für Frauen sinnvoll?
Nein. Das Prinzip funktioniert unabhängig vom Geschlecht und wird in der Community von allen genutzt, die sich mit einer bisher unbekannten Person treffen.
Macht ein Cover das Treffen komplett sicher?
Nein, es senkt das Risiko, garantiert aber keine vollständige Sicherheit, siehe Abschnitt Die Grenzen des Coverns.
Ein kurzer Aufwand mit großer Wirkung
Covern kostet ein paar Minuten und eine Nachricht an eine Person, der ihr vertraut. Mehr braucht es nicht, damit ein erstes Treffen mit gutem Gefühl beginnt, egal ob es sich am Ende um einen wunderbaren Abend oder einfach nur um Kaffee handelt.