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BDSM-Glossar · Sicherheit

Was ist ein Notfallplan?

Vorbereitet für den Ernstfall: was ein Notfallplan abdeckt und warum er ins Vorgespräch gehört, nicht erst in den Moment, in dem er gebraucht wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Notfallplan?

Ein Notfallplan ist ein vorab vereinbartes Regelwerk, das festlegt, wie bei einer körperlichen, technischen oder emotionalen Notlage während einer Session gehandelt wird. Er entsteht im Rahmen des Vorgesprächs, bevor die eigentliche Session beginnt, und wird von beiden Seiten gemeinsam getragen, nicht von einer Person allein festgelegt.

Das unterscheidet ihn vom Covern. Covern sichert das Treffen mit einer bisher unbekannten Person von außen ab, eine dritte Person weiß, wo ihr seid. Ein Notfallplan wirkt nach innen, während der Session selbst, unabhängig davon, wie gut ihr euch bereits kennt. Mehr Grundlagen im BDSM-Glossar.

Was dazugehört

Ein guter Notfallplan deckt mehrere Ebenen ab. Nonverbale Signale sind eine davon, eine Alternative zum gesprochenen Safeword, wichtig etwa bei einem Knebel oder Sprechverbot. Genauso wichtig ist, wo Rettungswerkzeuge liegen: eine Schere für Seile, ein Schlüssel für Handschellen, griffbereit statt in einer Schublade im anderen Zimmer.

Dazu gehört, vorher zu klären, wer im Ernstfall welche Aufgabe übernimmt, wer die Fesseln löst, wer telefoniert, wer bei der betroffenen Person bleibt. Und schließlich gehören gesundheitliche Vorkehrungen dazu: Vorerkrankungen offen ansprechen, damit die andere Person im Zweifel weiß, worauf sie achten muss.

Die Rolle einer dritten Person

Manche Paare beziehen zusätzlich eine dritte, an der Session unbeteiligte Person ein, etwa durch eine vereinbarte Kontaktzeit oder durch Anwesenheit im Nebenraum. Das ist keine Frage von Misstrauen zwischen den beiden Hauptbeteiligten, sondern eine zusätzliche Absicherung für den Fall, dass beide gerade nicht mehr klar handeln können.

Besonders deutlich wird der Sinn dieser Absicherung in einem Fall, der leicht übersehen wird: wenn nicht die gefesselte, sondern die führende Person einen Notfall erleidet, etwa durch einen Kreislaufzusammenbruch oder eine andere plötzliche Erkrankung. Eine gefesselte Person kann sich in diesem Moment oft nicht selbst befreien, selbst wenn sie bei vollem Bewusstsein und körperlich unverletzt ist. Genau hier greift die dritte Person: Bleibt die vereinbarte Rückmeldung aus, wird jemand aufmerksam und kann Hilfe holen, obwohl innerhalb der Session gerade niemand mehr selbst handeln kann.

Ein einfaches Beispiel: Ein befreundetes Paar meldet sich während längerer Sessions per Nachricht in einem festen zeitlichen Rahmen bei einer dritten Person zurück. Bleibt die Meldung aus, weiß diese Person, dass sie nachfragen oder eingreifen sollte. Ähnlich funktioniert das Prinzip beim Covern, dort allerdings für das Treffen selbst, nicht für das, was danach in der Session passiert.

Woran ihr merkt, dass es ernst wird

Ein Notfallplan braucht auch klare Abbruchkriterien, Warnzeichen, bei denen sofort pausiert oder abgebrochen wird, unabhängig davon, was gerade vereinbart war. Dazu zählen körperliche Signale wie Taubheitsgefühl oder Schwindel, genauso wie emotionale Überforderung, die sich nicht immer laut äußert.

Wichtig ist, diese Kriterien vorher gemeinsam festzulegen, nicht erst im Moment selbst zu entscheiden. Nach einem Abbruch gilt ohnehin: Aftercare nicht streichen, nur weil die Session ungeplant endete. Gerade dann ist die Zeit danach besonders wichtig.

Wer merkt, dass eine Situation die eigenen Möglichkeiten übersteigt, muss das nicht allein klären. Eine Übersicht unabhängiger Anlaufstellen findet ihr unter Wichtige Anlaufstellen.

Für Einsteiger

Ein vollständiger Notfallplan klingt zunächst nach viel Vorbereitung. Am Anfang reicht ein kleiner Teil davon: wissen, wo eine Schere liegt, ein klares Wort für „sofort aufhören“ auch ohne Knebel, und die Absprache, dass Nachfragen jederzeit erlaubt ist. Der Rest wächst mit der Erfahrung und mit dem, was ihr tatsächlich ausprobiert.

Häufige Fragen

Ist ein Notfallplan dasselbe wie Covern?

Nein. Covern sichert das Treffen mit einer fremden Person von außen ab, ein Notfallplan regelt, was während der Session selbst passiert, siehe Abschnitt Was ist ein Notfallplan?

Braucht man das auch bei einem festen Partner?

Ja. Ein Notfallplan hängt nicht davon ab, wie lange ihr euch schon kennt, sondern davon, was in der jeweiligen Session passieren kann.

Was gehört unbedingt griffbereit?

Mindestens eine Schere für Seile und ein Schlüssel für Handschellen, siehe Abschnitt Was dazugehört.

Was, wenn eine Session abgebrochen werden muss?

Dann gilt trotzdem, oder gerade dann erst recht, Zeit für Aftercare einzuplanen, siehe Abschnitt Woran ihr merkt, dass es ernst wird.

Vorbereitung, die man hofft, nie zu brauchen

Ein Notfallplan wird in den meisten Fällen nie gebraucht, genau deshalb wird er so leicht übersprungen. Die paar Minuten dafür im Vorgespräch sind trotzdem gut investiert, gerade weil niemand im Ernstfall Zeit hat, sie nachzuholen.

Gut vorbereitet in eure gemeinsame Auszeit?

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