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BDSM-Glossar · Grundlagen

Was ist Sadismus?

Das „S“ im BDSM – die Lust am einvernehmlichen Zufügen von Schmerz oder Kontrolle.

Inhaltsverzeichnis

Sadismus bezeichnet die Lust am einvernehmlichen Zufügen von Schmerz oder Kontrolle. Der Begriff geht auf den französischen Schriftsteller Marquis de Sade zurück, dessen literarisches Werk im 18. Jahrhundert namensgebend wurde. Gemeinsam mit dem Gegenstück Masochismus bildet Sadismus das „S“ und „M“ im BDSM.

Herkunft des Begriffs

Anders als „Masochismus“ existierte der Begriff „Sadismus“ bereits vor Krafft-Ebing: Er war in Frankreich schon seit 1834 in Gebrauch. Der Psychiater Richard von Krafft-Ebing übertrug ihn ins Deutsche und etablierte ihn wissenschaftlich, unter anderem in seinem 1886 erschienenen Standardwerk „Psychopathia Sexualis“ – demselben Buch, in dem er auch den Begriff „Masochismus“ prägte. Namensgeber war Donatien Alphonse François de Sade, bekannt als Marquis de Sade (1740–1814), der die meisten seiner gewaltpornografischen Romane während jahrzehntelanger Aufenthalte in Gefängnissen und Irrenanstalten schrieb. Anders als bei Sacher-Masoch, der die Namensgebung noch selbst erlebte und ablehnte, war de Sade zum Zeitpunkt der Begriffsprägung bereits über 70 Jahre tot.

Sadismus im einvernehmlichen Kontext

Entscheidend ist die Abgrenzung zu echtem, nicht-einvernehmlichem Schaden: BDSM-Sadismus lebt von der Reaktion des Gegenübers innerhalb eines vorher abgesprochenen Rahmens, nicht von tatsächlicher Verletzung. Viele sadistisch veranlagte Menschen beschreiben den Reiz als Freude an der intensiven, sichtbaren Reaktion der anderen Person – Atmung, Mimik, Laute – nicht am Schmerz selbst.

Medizinische Einordnung im Vergleich zu Masochismus

Sadismus und Masochismus wurden lange gemeinsam unter demselben ICD-10-Schlüssel F65.5 als „Störung der Sexualpräferenz“ geführt. Seit Einführung des ICD-11 im Jahr 2022 hat sich das aufgespalten: Für Masochismus gibt es gar keine eigene Diagnose mehr. Für Sadismus existiert dagegen weiterhin ein Diagnoseschlüssel (6D33), der sich aber ausdrücklich nur auf nicht-einvernehmlichen, unter Zwang ausgeübten Sadismus bezieht. Einvernehmliche sadistische Vorlieben im BDSM-Kontext bleiben davon unberührt und gelten nicht als Störung. Fachliteratur unterscheidet darüber hinaus grob zwischen nicht vorwiegend sexuell motiviertem Sadismus, etwa als allgemeine Freude an Macht unabhängig von sexueller Erregung, und dem hier relevanten Sexualsadismus, bei dem die Erregung direkt an das Zufügen von Schmerz oder Demütigung gekoppelt ist.

Verantwortung der sadistischen Person

Wer sadistische Neigungen auslebt, trägt gleichzeitig die größte Verantwortung für Sicherheit und Grenzen der anderen Person, etwa beim Impact Play. Aufmerksames Beobachten und ein vereinbartes Safeword gehören untrennbar dazu.

Für Einsteiger

Der leichteste Einstieg gelingt über milde Reize und viel Rückmeldung von der anderen Seite – wie fühlt sich das an, was ist zu viel, was zu wenig. Intensität lässt sich jederzeit steigern, entscheidend ist von Anfang an genaues Beobachten statt reiner Kraft.

Häufige Fragen

Ist Sadismus eine psychische Störung?
Einvernehmlicher Sadismus im BDSM-Kontext nicht. Die ICD-11-Diagnose 6D33 bezieht sich ausdrücklich nur auf nicht-einvernehmlichen, unter Zwang ausgeübten Sadismus.

Woher kommt der Begriff Sadismus?
Von Marquis de Sade, einem französischen Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. Der Begriff war in Frankreich bereits ab 1834 in Gebrauch, bevor Krafft-Ebing ihn 1886 im deutschsprachigen Raum wissenschaftlich etablierte.

Warum unterscheidet sich die medizinische Einordnung von der bei Masochismus?
Weil sich die ICD-11-Diagnose für Sadismus gezielt auf Fälle ohne Einvernehmen bezieht, während Masochismus als reine Vorliebe ganz ohne eigene Diagnose auskommt, siehe Abschnitt Medizinische Einordnung.

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