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27. September 2026

Nach der Trennung: Was in einer BDSM-Beziehung besonders fehlt

Eine Trennung tut immer weh. Aber wer über Jahre eine D/s- oder BDSM-Beziehung gelebt hat, verliert oft mehr als nur einen Partner. Der dominante Part verliert die Person, der er vertrauen durfte, sich vollständig zu öffnen. Der devote Part verliert den Menschen, dem er sich anvertraut hat. Beides zusammen lässt sich mit gewöhnlichen Trennungsratschlägen kaum fassen.

Das liegt nicht daran, dass diese Beziehungen besonders oder wichtiger wären als andere. Es liegt daran, dass in ihnen über Jahre eine sehr spezifische Form von Nähe entstanden ist. Sie bekommt selten einen eigenen Namen und ist deshalb auch im Abschied schwerer zu benennen.

Ich schreibe diesen Text auch aus eigener, sehr frischer Erfahrung. Meine letzte Beziehung war gut eineinhalb Jahre lang eine feste D/s-Partnerschaft, vor wenigen Wochen ist sie zu Ende gegangen. Ich schreibe hier also nicht aus der Distanz eines Betreibers, sondern aus der Mitte davon.

Was jede Trennung mit sich bringt

Zuerst der Blick auf das, was jede Trennung mit sich bringt. Dazu gehört der Verlust der Alltagsstruktur. Rituale, die sich über Monate oder Jahre eingespielt haben, fallen weg, und mit ihnen das Gefühl, für jemanden wichtig zu sein. Einen Zeitplan, nach dem Trauer, Wut und Erleichterung abzuarbeiten wären, gibt es dabei nicht.

Besonders schwer zu begreifen ist oft, wie widersprüchlich ein Ende wirken kann. Noch am Vorabend kann alles nach Nähe und Zukunft ausgesehen haben, während beim anderen die Entscheidung längst gefallen war. Diese Gleichzeitigkeit von echter Zuneigung und feststehendem Ende lässt sich im Nachhinein kaum auflösen. Das Zurückblättern in alten Nachrichten, auf der Suche nach dem Moment, an dem sich alles gedreht hat, gehört für viele zu den ersten Wochen dazu. Eine Antwort findet sich darin selten, aber der Versuch ist menschlich.

Bei einer D/s-Beziehung kommt zu alldem eine Ebene hinzu, die im nächsten Abschnitt beschrieben wird.

Mehr als der Verlust eines Partners

Wer eine devote Person länger begleitet hat, hat nicht nur eine Beziehung geführt, sondern eine Verantwortung getragen. Für die eigene Sub, den eigenen Sklaven da zu sein, war für viele dominante Menschen kein Nebenaspekt der Beziehung, sondern ihr Kern. Genau dieser Teil fällt bei einer Trennung weg. Es fehlen nicht nur die gemeinsame Zeit, das gemeinsame Wohnen und die gemeinsamen Pläne. Es fehlt auch der Platz, an dem der führende Part diese Verantwortung gelebt hat.

Umgekehrt gilt dasselbe für den devoten Part. Wer sich über Jahre jemandem anvertraut hat, verliert nicht nur einen Menschen an der eigenen Seite. Er verliert die Person, bei der Loslassen überhaupt möglich war. Diesen Halt einfach durch eine neue Beziehung zu ersetzen, gelingt deshalb nicht zwangsläufig schnell.

Manche fassen das in einen einzigen Satz: Ohne Sub ist ein Dom kein Dom, ohne Dom ist eine Sub keine Sub. So hart das klingt, für viele beschreibt es genau dieses Gefühl nach einer Trennung. Es fehlt nicht nur ein Mensch, sondern der Teil der eigenen Identität, der sich erst im Gegenüber gezeigt hat. Eine Trennung nimmt dieser Identität aber nicht ihre Existenz. Sie nimmt zunächst den Menschen, mit dem sie gelebt wurde. Wer dominant oder devot ist, bleibt es auch danach, nur das Gegenüber fehlt.

Sichtbar wird das manchmal an etwas so Kleinem wie einem Ring. In der Szene tragen manche einen O-Ring als Zeichen ihrer Neigung, oft links für den führenden, rechts für den devoten Part. Diese Zuordnung handhaben die Gruppen allerdings unterschiedlich. Nach einer Trennung überlegen manche ganz bewusst, ob der Ring vom Ringfinger auf den Mittelfinger wandert, als Zeichen, wieder ungebunden zu sein. Andere tragen ihn für eine Weile gar nicht mehr. Die Hand selbst bleibt dabei meist die gleiche, sie zeigt schließlich die eigene Neigung, nicht die aktuelle Beziehung. Ein kleines Stück Metall, das trotzdem einiges trägt.

Nahaufnahme zweier Ring-der-O-Ringe an der Hand, Symbol der eigenen Neigung

Warum das schwer in Worte zu fassen ist

Im Freundeskreis außerhalb der Szene fällt es oft schwer, diesen Verlust überhaupt zu erklären. „Wir haben uns getrennt“ reicht als Satz, aber er trägt nicht, was tatsächlich verloren gegangen ist. Es fehlt nicht nur eine Beziehung, sondern eine ganz bestimmte Form von Vertrauen und Verantwortung. Wer das erklären will, stößt außerhalb der Szene oft auf Unverständnis. Das ist keine Ablehnung, sondern schlicht fehlender Bezug.

Ein gut gemeinter Satz wie „Ihr könnt euch doch im Guten trennen, dann such dir einfach jemand Neues“ zeigt genau diese Lücke. Er nimmt den Verlust der Beziehung ernst, aber nicht den Verlust der Struktur dahinter.

Das macht diese Art von Trauer häufig einsamer als eine gewöhnliche Trennung. Das Gefühl selbst ist genauso echt und genauso schwer.

Was der dominante Part oft vermisst

Selten ist es die Kontrolle selbst, die fehlt. Es ist eher das Gefühl, gebraucht zu werden, in einem sehr konkreten, sehr persönlichen Sinn. Die kleinen Rituale, ein Collar, feste Abläufe, ein gemeinsam geführtes Strafbuch, waren nie nur Ausstattung einer Beziehung. Sie drückten aus, dass jemand sich bewusst in diese Hand begeben hat. Ohne diese Person fehlt nicht die Rolle als solche, sondern die konkrete Beziehung, in der sie gelebt wurde.

Was der devote Part oft vermisst

Hier ist es meistens nicht das Geführtwerden im Sinne einzelner Anweisungen, sondern die Sicherheit, die daraus entstanden ist. Zu wissen, dass jemand die Verantwortung für bestimmte Entscheidungen übernimmt, konnte eine tiefe Entlastung sein, gerade weil man sie freiwillig übergab. Diese Sicherheit fällt mit der Trennung weg, und mit ihr oft auch ein Stück der eigenen Orientierung, zumindest für eine Weile.

Ein Teil der Zeit danach besteht deshalb darin, Entscheidungen wieder selbst zu treffen, die lange woanders lagen. Das fühlt sich am Anfang oft ungewohnt und anstrengend an, nicht falsch, nur unbekannt. Mit der Zeit wird daraus meist eine eigene, neu gewonnene Sicherheit.

Dieser Einbruch trifft beide Seiten. Auch der führende Part fällt nach dem Wegfall von Verantwortung und Nähe oft in ein Loch. Das ähnelt einem Sub Drop oder Dom Drop nach einer intensiven Session. Hier ist der Anlass allerdings ein Abschied und keine einzelne Nacht. Belege für biochemische Vorgänge gibt es nicht. Das lässt sich eher als psychologischer Prozess verstehen, der einem Abschied ähnelt.

Die Struktur trauern, nicht nur die Person

Es hilft, sich zu erlauben, zwei Dinge getrennt zu betrauern: den Menschen und die gemeinsam gelebte Struktur. Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe. Manche Menschen vermissen die Person und die Rolle gleichermaßen. Andere merken, dass sie vor allem die Struktur vermissen, die Beziehung selbst aber schon länger nicht mehr getragen hat. Beides ist ein ehrliches Gefühl, keines davon macht die Trauer weniger echt.

Wie es mir selbst damit geht

Das gilt für mich selbst gerade genauso. Ich weiß, dass ich sie als Mensch sehr vermisse und erst danach die D/s-Partnerschaft. Dabei hat diese Partnerschaft zu einer besonderen Tiefe und einem sehr gegenseitigen Vertrauen zwischen uns geführt. Wir haben unsere D/s-Beziehung bis zuletzt gepflegt. Ich blättere noch immer durch gemeinsame Fotos und alte Nachrichten. Weniger auf der Suche nach dem Moment, an dem sich alles gedreht hat, sondern wegen der schönen Erinnerungen, die darin stecken. Dann vermisse ich sie sehr.

Besonders fehlen mir die kleinen Dinge: ihr Lächeln, ihre Freude, meine eigene Freude daran, mit ihr etwas zu unternehmen, diese besondere Innigkeit zwischen uns. Es bedrückt mich, diesen geliebten Menschen nicht mehr an meiner Seite zu wissen, jemanden, der mich gehalten, aufgefangen und manchmal auch gebremst hat. Genauso habe ich versucht, für sie da zu sein, sie zu unterstützen und ihr Rat zu geben, wo ich konnte. Diese Gegenseitigkeit war nie nur Rolle, sie war gelebte Fürsorge in beide Richtungen.

Jemanden zu vermissen bedeutet außerdem nicht automatisch, dass die Beziehung zurückkommen soll. Trauer und der Wunsch nach einem Neuanfang können gleichzeitig da sein. Das eine ist noch keine Entscheidung über das andere.

Ob und wie es weitergeht

Verständlich, aber selten hilfreich ist der Drang, die Leere schnell wieder zu füllen. Manche versuchen deshalb, die entstandene Leere möglichst schnell wieder zu füllen, etwa durch eine neue D/s-Beziehung, neue Sessions oder besonders viel Aktivität. Was fehlt, lässt sich dadurch selten unmittelbar ersetzen. Es kann für eine Weile helfen, den Schmerz weniger spürbar zu machen, löst aber nicht automatisch die eigentliche Trauer.

Es gibt keinen Zeitplan dafür, wann diese Art von Verlust vorbei sein sollte. Manche finden nach einer Weile zurück in den Austausch mit anderen aus der Szene, etwa bei einem der Stammtische. Dort ist man wieder unter Menschen, denen man diesen Teil des eigenen Lebens nicht erklären muss. Oft hilft es schon, sich ein, zwei Personen daraus gezielt als Ansprechpartner zu suchen, statt das Thema komplett für sich zu behalten. Andere brauchen länger allein, bevor überhaupt wieder Raum für eine neue D/s-Beziehung entsteht. Keiner dieser Wege ist der richtige oder der falsche.

Wenn der Schmerz über Wochen nicht leichter wird, Schlaf, Appetit oder Arbeit darunter leiden oder dunkle Gedanken auftauchen, ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein guter Grund, sich Hilfe zu holen. Eine Übersicht unabhängiger Stellen, auch für Menschen aus der Szene, findet ihr unter Wichtige Anlaufstellen. Bei akuten Suizidgedanken erreicht ihr rund um die Uhr die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder den Notruf 112.

Was bleibt, ist meistens nicht nur der Schmerz, sondern auch das Wissen, wie tief diese Form von Vertrauen einmal reichen konnte. Das ist selten ein schwacher Trost, aber ein ehrlicher.

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